Wie viel Strom produziert eine Solaranlage auf dem Norddach?
Die ehrliche Antwort: weniger als auf einem Süddach — aber mehr als viele denken. Entscheidend sind Ausrichtung und Neigung. Ein flaches Norddach mit 7–10° ist günstiger als ein steiles Norddach mit 30° oder 40°.
Die wichtigste Erkenntnis: Je flacher das Norddach, desto besser der Ertrag.
20° Neigung optimal für Norddach
Flach = besser
ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit
Eigenverbrauch
Warum ist ein Norddach nicht so schlimm wie gedacht?
1. Diffuses Licht — der unterschätzte Faktor: In der Schweiz ist der Himmel oft bedeckt. Bei bewölktem Himmel produziert eine Norddachanlage genauso viel wie eine Südanlage — weil diffuses Licht von allen Seiten kommt. Gerade im Mittelland mit häufigem Nebel ist dieser Effekt bedeutsam.
2. Morgen- und Abendsonne im Sommer: Im Schweizer Sommer geht die Sonne im Nordosten auf und im Nordwesten unter. Ein Norddach erhält morgens und abends direkte Sonnenstrahlung — genau dann, wenn der Eigenverbrauch oft am höchsten ist.
3. Kühlere Module = höherer Wirkungsgrad: Module auf dem Norddach erhitzen sich weniger. Da der Wirkungsgrad bei Hitze sinkt, produzieren Nordmodule an heissen Sommertagen manchmal fast so viel wie Südmodule.
Wann lohnt sich ein Norddach — und wann nicht?
Es lohnt sich wenn:
- ✅ Der Eigenverbrauch hoch ist — wer den Strom selbst verbraucht, profitiert auch von weniger Produktion
- ✅ Ein Batteriespeicher vorhanden ist — speichert den Tagesstrom für den Abend
- ✅ Keine Südfläche verfügbar ist — Norddach als einzige Option
- ✅ Das Norddach zusätzlich zur Südfläche genutzt wird — Kombination maximiert die Produktion
- ✅ Ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe vorhanden ist — hoher Eigenverbrauch macht Nordanlagen rentabel
- ❌ Zusätzliche Verschattung vorhanden ist — Norddach + Verschattung = sehr wenig Strom
- ❌ Eine Südfläche ungenutzt ist — zuerst Süd belegen, dann Nordfläche prüfen
Kombination Süd- und Norddach — die beste Lösung
Wenn Ihr Haus ein Satteldach mit Süd- und Nordseite hat, ist die optimale Strategie oft: beide Seiten belegen.
Vorteile: Mehr Gesamtproduktion, gleichmässigere Produktion morgens und abends, höherer Eigenverbrauch, optimale Tagesabdeckung (Norddach morgens/abends + Süddach mittags).
Was ist der optimale Neigungswinkel für ein Norddach?
Faustregel: Je flacher, desto besser — mit einer Untergrenze von 7°. Bereiche von 7–10° und 15–20° sind günstiger als 25–30°, 35–40° oder noch steilere Norddächer.
Achtung: Unter 7° gibt es Probleme mit der Selbstreinigung — Regenwasser fliesst schlecht ab, was zu Verschmutzung und reduziertem Ertrag führt.
Welche Module eignen sich besonders für Norddächer?
Gute Leistung bei diffusem Licht: Monokristalline N-Typ-Module (TOPCon, HJT) produzieren bei bewölktem Himmel besser als ältere PERC-Technologie — besonders empfehlenswert für Norddächer.
Bifaziale Module: Auf dem Norddach können bifaziale Module von reflektiertem Licht der Dachziegel profitieren — der Mehrertrag ist aber gering und rechtfertigt den Mehrpreis selten.
Empfehlung: Tier-1-Hersteller mit TOPCon oder HJT-Technologie.
Was tun bei verschattetem Norddach?
Verschattung ist bei Norddächern besonders kritisch. Lösungen:
Moduloptimierer: Kleine Geräte an jedem Modul, die verhindern, dass ein verschattetes Modul die gesamte Anlage bremst. Bei Norddächern mit teilweiser Verschattung sehr empfehlenswert.
Mikroinverter: Jedes Modul hat einen eigenen Wechselrichter. Maximale Unabhängigkeit bei Verschattung, aber höhere Kosten.
Kluge Modulanordnung: Ein erfahrener Installateur kann die Module so platzieren, dass verschattete Bereiche minimal sind.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich eine Solaranlage auf dem Norddach in der Schweiz?+
Ja, unter bestimmten Bedingungen. Bei flacher Dachneigung (unter 25°) und hohem Eigenverbrauch kann auch ein Norddach wirtschaftlich betrieben werden.
Wie viel Strom produziert eine Solaranlage auf dem Norddach?+
In der Schweiz, wo diffuses Licht häufig ist, ist der Unterschied oft kleiner als erwartet.
Welcher Neigungswinkel ist optimal für ein Norddach?+
Je flacher, desto besser — mit einer Untergrenze von 7°. Bei 7–20° Neigung erzielt ein Norddach die besten relativen Erträge. Steilere Norddächer über 40° sind eher nicht empfehlenswert.
Kann ich Süd- und Norddach gleichzeitig belegen?+
Ja, und das ist oft die beste Lösung. Die Nordseite ergänzt die Südseite — morgens und abends trägt das Norddach zur Produktion bei. Der Gesamtertrag steigt und die Eigenverbrauchsquote verbessert sich.
Welche Module eignen sich am besten für Norddächer?+
Monokristalline N-Typ-Module (TOPCon oder HJT) von Tier-1-Herstellern. Sie produzieren besser bei diffusem Licht — das macht den Unterschied beim Norddach.
Hilft ein Batteriespeicher beim Norddach?+
Ja, deutlich. Da beim Norddach die Einspeisevergütung ohnehin gering ist, macht der Speicher wirtschaftlich besonders Sinn.
PvPro.ch
Solar-Ratgeber
Informationen von PvPro.ch zu Solaranlagen, Kosten, Förderung und dem Vergleich von Offerten in der Schweiz.
Über PvPro.ch →Richtwerte, Stand September 2026. Quellen: Pronovo, ElCom, Swissolar.
Auch mit Norddach — kostenlos prüfen lassen
Ein zertifizierter Installateur aus Ihrem Kanton analysiert Ihr Dach und sagt Ihnen ehrlich, ob sich eine Solaranlage lohnt — auch bei Nordausrichtung. Kostenlos bis zu 3 Offerten vergleichen.
Kostenlose Offerte anfordern
