Wie viel Strom produziert eine Solaranlage auf dem Norddach?
Die ehrliche Antwort: weniger als auf einem Süddach — aber mehr als viele denken. Erträge je nach Ausrichtung und Neigung: Süd 30–35° = 100% (Referenz). Ost/West 30° = 90–95%. Nord 20° = 70%. Nord 30° = 61%. Nord 40° = 50–55%. Flaches Norddach 7–10° = 75–80%.
Was das in der Praxis bedeutet: Eine 10-kWp-Anlage auf einem Süddach produziert in der Schweiz ca. 10'000 kWh/Jahr. Dieselbe Anlage auf einem Norddach mit 30° produziert ca. 6'100 kWh/Jahr. Auf einem flachen Norddach (10°) sind es ca. 7'500–8'000 kWh/Jahr.
Die wichtigste Erkenntnis: Je flacher das Norddach, desto besser der Ertrag.
Ertrag vs. Süddach — besser als gedacht
60–70%
20° Neigung optimal für Norddach
Flach = besser
ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit
Eigenverbrauch
Warum ist ein Norddach nicht so schlimm wie gedacht?
1. Diffuses Licht — der unterschätzte Faktor: In der Schweiz ist der Himmel oft bedeckt. Bei bewölktem Himmel produziert eine Norddachanlage genauso viel wie eine Südanlage — weil diffuses Licht von allen Seiten kommt. Gerade im Mittelland mit häufigem Nebel ist dieser Effekt bedeutsam.
2. Morgen- und Abendsonne im Sommer: Im Schweizer Sommer geht die Sonne im Nordosten auf und im Nordwesten unter. Ein Norddach erhält morgens und abends direkte Sonnenstrahlung — genau dann, wenn der Eigenverbrauch oft am höchsten ist.
3. Kühlere Module = höherer Wirkungsgrad: Module auf dem Norddach erhitzen sich weniger. Da der Wirkungsgrad bei Hitze sinkt, produzieren Nordmodule an heissen Sommertagen manchmal fast so viel wie Südmodule.
Wann lohnt sich ein Norddach — und wann nicht?
Es lohnt sich wenn:
- ✅ Die Dachneigung flach ist (unter 25°) — Ertrag 70–80% des Süddachs
- ✅ Der Eigenverbrauch hoch ist — wer den Strom selbst verbraucht, profitiert auch von weniger Produktion
- ✅ Ein Batteriespeicher vorhanden ist — speichert den Tagesstrom für den Abend
- ✅ Keine Südfläche verfügbar ist — Norddach als einzige Option
- ✅ Das Norddach zusätzlich zur Südfläche genutzt wird — Kombination maximiert die Produktion
- ✅ Ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe vorhanden ist — hoher Eigenverbrauch macht Nordanlagen rentabel
- ❌ Die Dachneigung sehr steil ist (über 40°) — Ertrag fällt auf 50–55%
- ❌ Zusätzliche Verschattung vorhanden ist — Norddach + Verschattung = sehr wenig Strom
- ❌ Eine Südfläche ungenutzt ist — zuerst Süd belegen, dann Nordfläche prüfen
Kombination Süd- und Norddach — die beste Lösung
Wenn Ihr Haus ein Satteldach mit Süd- und Nordseite hat, ist die optimale Strategie oft: beide Seiten belegen.
Vorteile: Mehr Gesamtproduktion, gleichmässigere Produktion morgens und abends, höherer Eigenverbrauch, optimale Tagesabdeckung (Norddach morgens/abends + Süddach mittags).
Praxisbeispiel Luzern — 6 kWp Süd (30°) + 4 kWp Nord (30°): Süddach ca. 6'000 kWh/Jahr. Norddach ca. 2'440 kWh/Jahr. Total ca. 8'440 kWh/Jahr. Mit Speicher ca. 5'500 kWh Eigenverbrauch = CHF 1'650 gespart. Das Norddach trägt ca. 29% zur Gesamtproduktion bei — nicht ideal, aber klar positiv.
Was ist der optimale Neigungswinkel für ein Norddach?
Faustregel: Je flacher, desto besser — mit einer Untergrenze von 7°. Erträge nach Neigungswinkel: 7–10° = 75–80% (sehr gut). 15–20° = 70–75% (gut). 25–30° = 62–70% (akzeptabel). 35–40° = 55–62% (grenzwertig). 45°+ = unter 55% (nicht empfehlenswert).
Achtung: Unter 7° gibt es Probleme mit der Selbstreinigung — Regenwasser fliesst schlecht ab, was zu Verschmutzung und reduziertem Ertrag führt.
Welche Module eignen sich besonders für Norddächer?
Gute Leistung bei diffusem Licht: Monokristalline N-Typ-Module (TOPCon, HJT) produzieren bei bewölktem Himmel besser als ältere PERC-Technologie — besonders empfehlenswert für Norddächer.
Bifaziale Module: Auf dem Norddach können bifaziale Module von reflektiertem Licht der Dachziegel profitieren — der Mehrertrag ist aber gering und rechtfertigt den Mehrpreis selten.
Empfehlung: Tier-1-Hersteller mit TOPCon oder HJT-Technologie, mindestens 21% Wirkungsgrad.
Rechnet sich das trotzdem? Rechenbeispiel Norddach Zürich
Ausgangslage: Einfamilienhaus Zürich, Norddach 25°, 10 kWp. Jahresproduktion: ca. 6'100 kWh. Eigenverbrauch 40% = 2'440 kWh. Einspeisung 3'660 kWh × CHF 0.08 = CHF 293.
Jährliche Ersparnis: Eigenverbrauch 2'440 × CHF 0.30 = CHF 732. Einspeisung CHF 293. Total CHF 1'025/Jahr.
Investition nach EIV und Steuerabzug: ca. CHF 12'300 netto. Amortisation: ca. 12 Jahre.
Mit Batteriespeicher steigt der Eigenverbrauch auf 65% → CHF 1'350/Jahr. Vergleich Süddach: ca. CHF 1'500–1'700/Jahr, Amortisation 8–10 Jahre. Das Norddach lohnt sich — aber weniger als ein Süddach.
Was tun bei verschattetem Norddach?
Verschattung ist bei Norddächern besonders kritisch. Lösungen:
Moduloptimierer: Kleine Geräte an jedem Modul, die verhindern, dass ein verschattetes Modul die gesamte Anlage bremst. Bei Norddächern mit teilweiser Verschattung sehr empfehlenswert.
Mikroinverter: Jedes Modul hat einen eigenen Wechselrichter. Maximale Unabhängigkeit bei Verschattung, aber höhere Kosten.
Kluge Modulanordnung: Ein erfahrener Installateur kann die Module so platzieren, dass verschattete Bereiche minimal sind.
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Kostenlose Offerte anfordernHäufig gestellte Fragen
Lohnt sich eine Solaranlage auf dem Norddach in der Schweiz?+
Ja, unter bestimmten Bedingungen. Bei flacher Dachneigung (unter 25°) und hohem Eigenverbrauch kann auch ein Norddach wirtschaftlich betrieben werden. Der Ertrag liegt bei 60–80% eines Süddachs — die Amortisation dauert etwas länger, aber die Anlage rechnet sich.
Wie viel Strom produziert eine Solaranlage auf dem Norddach?+
Abhängig von der Dachneigung: Bei 20° ca. 70% des Süddach-Ertrags, bei 30° ca. 61%, bei flachen Dächern (10°) bis zu 80%. In der Schweiz, wo diffuses Licht häufig ist, ist der Unterschied oft kleiner als erwartet.
Welcher Neigungswinkel ist optimal für ein Norddach?+
Je flacher, desto besser — mit einer Untergrenze von 7°. Bei 7–20° Neigung erzielt ein Norddach die besten relativen Erträge. Steilere Norddächer über 40° sind eher nicht empfehlenswert.
Kann ich Süd- und Norddach gleichzeitig belegen?+
Ja, und das ist oft die beste Lösung. Die Nordseite ergänzt die Südseite — morgens und abends trägt das Norddach zur Produktion bei. Der Gesamtertrag steigt und die Eigenverbrauchsquote verbessert sich.
Welche Module eignen sich am besten für Norddächer?+
Monokristalline N-Typ-Module (TOPCon oder HJT) von Tier-1-Herstellern. Sie produzieren besser bei diffusem Licht — das macht den Unterschied beim Norddach.
Hilft ein Batteriespeicher beim Norddach?+
Ja, deutlich. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch von ca. 40% auf 65–75%. Da beim Norddach die Einspeisevergütung ohnehin gering ist, macht der Speicher wirtschaftlich besonders Sinn.
